Ansgar – Apostel des Nordens. Zwischen Scheitern und Neuaufbruch
Einmal im Jahr treffen sich die Hauptamtlichen der Kieler Kirchenfamilien – und das schon seit vielen Jahren zum ökumenischen Konvent. Am 1. Juli war es wieder soweit. Es kamen rund 55 zusammen: Pastorinnen und Pastoren, Priester, Diakone und weitere haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende aus der Pfarrei St. Franz von Assisi, dem Kieler Konvent des Kirchenkreises Altholstein, der Evangelischen Allianz Kiel sowie weiteren Mitgliedern der ACK Kiel.
Eine Andacht zum Einstieg
Den Auftakt machte eine Andacht über 2. Chronik 5, die Pastor Helge Frey hielt. Es ging um den Moment, in dem die Bundeslade in den Tempel in Jerusalem einzieht. Der Tempel entsteht in einer Gesellschaft im Umbruch: religiös, politisch, gesellschaftlich. Aus einem losen Stammesverband wird ein Königreich. Was bisher selbstverständlich war, gilt plötzlich nicht mehr. Und in genau diesen Moment zieht Gott ein – in ein System, das er nicht bestellt hat, sondern in einen Kompromiss, den die Menschen wollten.
Die Priester haben alles vorbereitet. Liturgie, Ablauf, Aufgaben – alles steht. Und dann kommt Gott. Eine Wolke füllt den Tempel, und die Priester können ihren Dienst nicht mehr verrichten. Nicht weil etwas schiefgelaufen ist. Sondern weil Gott den Raum füllt.
Frühstück
Danach ging es zum Frühstück. Ein leckeres Buffet, Tische konfessionell gemischt besetzt. Lutheraner neben Orthodoxen, Freikirchler neben Katholiken. Die Gespräche kamen in Gang.
Impuls: Ansgar
Den inhaltlichen Schwerpunkt setzte Bruder Johannes, Prior des Klosters Nütschau. Sein Thema: Ansgar zwischen Scheitern und Neuaufbruch.
Ansgar hat sein Leben lang damit gerechnet, als Märtyrer zu sterben. Der gewaltsame Tod schien ihm das eigentliche Zeugnis zu sein. Doch am Ende starb er als alter Mann im Bett – und litt darunter, dass er „seine Bestimmung“ verfehlt hatte. Erst ganz Ende verstand er: Sein Leben jedoch war von Rückschlägen geprägt, von Plänen, die sich nicht umsetzen ließen, aber auch von Neuanfängen. Mehrfach brach er neu auf, mehrfach lief es anders als gedacht. Nicht sein erwarteter Märtyrer-Tod war sein Zeugnis. Sein Leben war es. Und das Fazit, das Br. Johannes daraus zog: Wichtiger als Erfolg zu haben ist, Zeuge des Evangeliums zu sein.
In den Gruppengesprächen wurde dann auch die Frage diskutiert, ob „Scheitern“ für Ansgars Leben überhaupt der richtige Begriff ist. Eine offene Frage – die sich lohnt, offen zu lassen.
Abschluss und Ausblick
Nach den Gruppen kam das Plenum wieder zusammen. Kurze Abschlussrunde, dann praktische Informationen aus der Ökumene und den Kirchen – unter anderem der Hinweis auf den gemeinsamen Schöpfungsgottesdienst im September.
Die Stimmung des Vormittags war gut. Konzentriert, entspannt, fröhlich. So soll das sein.
Der nächste ökumenische Konvent findet voraussichtlich am ersten Mittwoch im Juni 2027 statt.







